Die Lorenzkirche in Nürnberg ist ein imposantes gotisches Bauwerk mit einem beeindruckenden Hallenchor und einer der größten Orgeln der Welt. Die reiche Ausstattung, darunter das Sakramentshaus von Adam Kraft, zeigt die Nürnberger Handwerkskunst. Der Bau der Lorenzkirche begann um 1250 und erstreckte sich über mehr als zwei Jahrhunderte. Als Meisterwerk deutscher Gotik prägt sie bis heute die Silhouette Nürnbergs mit ihren markanten Doppeltürmen. Ihre reich verzierte Fassade aus hellem Sandstein, die filigranen Maßwerke, die mittelalterlichen Glasfenster und das berühmte Engelsgruß-Relief von Veit Stoß machen sie zu einem einzigartigen Bauwerk sakraler Kunst.
Obwohl wir frühzeitig an der Lorenzkirche waren, mussten wir uns in eine lange Schlange von Besuchern einreihen. Trotz der großen Menge an Menschen und der Vermutung das könnte lange dauern bis zum Einlass, ging das ganze doch recht schnell und nach zehn Minuten waren wir in der Kirche. Im Inneren waren die in drei Kategorien aufgeteilten Sitzplätze bereits gut gefüllt und etwas verwirrend zu erreichen. Pünktlich begann die Show, ja so muss man es wohl bezeichnen, denn es wurde eine minutiös konzipierte Vorstellung geboten.
Ein einzigartiges Erlebnis wurde Besucherinnen und Besuchern geboten, eine eindrucksvolle Reise durch Licht und Zeit. Von der Geburt der Kirche über ihren Aufstieg bis in die Gegenwart. In einer meisterhaften Komposition aus Licht, Schatten, Musik und Geschichte wird das jahrhundertealte Bauwerk neu erzählt und gleichzeitig bewahrt, wenngleich ich manches etwas zu theatralisch empfand. Die Projektionen sind von atemberaubender Präzision und lassen selbst Kennerinnen und Kennern der Lorenzkirche staunen. Man hat das Gefühl Wände, Gewölbe und Pfeiler beginnen zu sprechen, zu leuchten, zu atmen. Fast schon mystische Szenen fließen Ineinander und erzeugen Momente mit Gänsehaut-Charakter. Die einfühlsame, erzählerische Stimme der Kirche wird von der Schauspielerin Michaela May gesprochen, sie verleiht der Inszenierung außerordentliche emotionale Tiefe.
Musikalisch wird Luminiscence live getragen vom Chor und den drei Orgeln der Lorenzkirche, ein Klangkörper, der den Raum erfüllt und die Lichtinszenierung eindrucksvoll verstärkt. Die mächtige Orgel wird dabei selbst Teil der Erzählung und verbindet Vergangenheit und Gegenwart. Als sehr schön empfand ich die eingespielten orchestralen Musik-Auszüge wie Edvard Griegs „Morgenstimmung“ aus der Peer Gynt Suite, Johann Sebastian Bach‘s Orgel-Meisterwerk „Toccata und Fuge“, Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ oder Mussorgsky/Ravel „Bilder einer Ausstellung“. Die ausgewählten Musikstücke fügten sich harmonisch zu Atmosphäre und Licht ein und rundeten das Gesamterlebnis ab.
Für die Nürnberger Fassung wurde von Lorenzkantor Michael Riedel eigens ein Chor aus renommierten Stimmen der Region zusammengestellt. Diese verleihen dem Original-Soundtrack von LUMINISCENCE eine bewegende Dimension. Jeder Ton, jede Stimme erfüllt das Kirchenschiff und entfaltet sich in der einzigartigen Akustik der Kirche. Durch die Kraft des Live-Gesangs und der Live-Orgel wird das Publikum nicht nur zum Zuhören eingeladen – es spürt jede Schwingung, jede Nuance mit außergewöhnlicher Intensität. Diese Verbindung aus Live-Musik und Architektur verwandelt das Hören in ein sinnliches Erlebnis, in dem Klang zu Substanz, Bewegung und Emotion wird.
Die Lichtprojektion LUMINISCENCE war in vier Teile gegliedert:
Akt I: Der Aufstieg eines Giganten
Akt II: Zwischen Schatten und Licht
Akt III: Die Kirche der Künste
Akt IV: Im Zeichen der Ewigkeit
Arrangiert wurde dieses außergewöhnliche Gesamtkunstwerk von Alexis Duffaure in Zusammenarbeit mit dem Studio Blanktone, einem erfolgreichen französischen Audiostudio. Luminiscence ist weit mehr als eine Veranstaltung. Es ist ein intensives Erlebnis zwischen Geschichte, Architektur und Emotion. Ein Eintauchen in ein Bauwerk, das man vielleicht zu kennen glaubt, dass sich aber vollkommen neu öffnet.
Die Vorbereitung dieser Inszenierung bedarf etwa ein halbes Jahr. Es soll nicht als religiöse Show verstanden werden. Die Produktion stammt ursprünglich aus Frankreich, denn die Franzosen sind bekannt für ihre Verliebtheit in alles, was mit Licht, Musik und auch Theatralik zu tun hat. Ich habe selbst bei einem Besuch in Frankreich erlebt, was man darunter versteht. Ich war von einer befreundeten französischen Familie eingeladen zum „Puy du fou“ im Vendée an der Atlantikküste. Hier gab es eine Abend-Show über die Geschichte des Departements Vendée die ich einfach nur als atemberaubend empfand. Als ich gelesen hatte, wo der Ursprung dieser Art von Lichtshow lag, war mir das sofort klar, typisch französisch…. Was man auch nicht vergessen sollte, ein Teil der Einnahmen geht an Kirchengemeinde St.Lorenz zum weiteren Erhalt des Bauwerks. Mein Fazit für diesen Abend, es wurde eine faszinierende Licht- und Klangreise geboten um diese Kirche mit neuen Augen zu sehen und dabei mit allen Sinnen wahrzunehmen. Wer ein Klang und Lichterlebnis erleben möchte dem lege ich „Luminiscence“ ans Herz.
