The Music of Genesis The best from 1976 to 1980 – Samstag, 22. März 2025 | 19:30 Uhr

Ja was war das denn?!

Ich habe ja schon einige Genesis-Tribute Bands erlebt aber diese Band hat jeglichen Rahmen gesprengt. Aber der Reihe nach…

Fangen wir mit der Location an, ich habe ja ein paar Jahre in Augsburg gelebt und natürlich kannte ich das Kurhaus-Theater, war aber schon längere Zeit nicht mehr dort. Was soll ich sagen, die Architektur ist wirklich beeindruckend und jede Veranstaltung dort ist ein Erlebnis. Das Kurhaus-Theater wurde 1885-1886 vom Architekten Jean Keller erbaut. Es ist das einzige erhaltene Multifunktionstheater in Glas- und Gusseisenkonstruktion aus der Gründerzeit und ein wahres Schmuckstück. Elmar Ferner, der Sänger der Band hat dies zu Anfang des Konzertes auch entsprechend gewürdigt, er zeigte sich sichtlich beeindruckt von diesem Rahmen. Also wer einmal nach Augsburg kommt sollte sich dieses Theater und die dazu gehörende Parkanlage nicht entgehen lassen.

Was sicher auch von Interesse ist, wie und wo fanden sich die fünf Musiker dieser Formation und wie entstand dieses Musik-Projekt? Im Jahr 2009 in Hannover studierten Elmar Ferner, Jochen Pietsch, Niklas Turmann, Michael Schugardt und Momme Boe an der dortigen, renommierten Hochschule für Musik, Schauspiel und Medien. Im Rahmen ihrer Abschlussfeier spielten sie ihre Diplom-Konzerte mit der Musik von Genesis vor großem Publikum. Der Erfolg war überwältigend, bekam aber keine Fortsetzung. Über viele Jahre hinweg sorgten diese Aufnahmen die auf YouTube zu sehen waren immer wieder für Gesprächsstoff – da sich ihre Mitglieder längst anderen Aufgaben gewidmet hatten waren weitere Konzerte, nüchtern betrachtet, kaum zu realisieren.

Vor etwa fünf Jahren hatte ein neuseeländischer Promoter die Idee, ein hochwertiges Genesis-Tribute-Projekt zusammenzustellen, er stieß bei seiner Recherche auf die Aufnahmen von 2009 und zeigte sich von dessen Qualität tief beeindruckt. Er nahm Kontakt mit der Band auf und konnte die fünf schließlich überreden sich zu treffen und zu prüfen ob die alte Chemie noch passt. So traf sich die Band 2020 schließlich zu Proben und war überrascht, wie schnell die alte Stimmung und Vertrautheit wieder zurückkehrte. Leider wurden die Pläne durch Covid ausgebremst, die Band lässt sich davon nicht entmutigen und arbeitete weiter am „Comeback“. Besonderer Wert wurde auf die Bühnenpräsenz gelegt, war dies doch immer ein wichtiger Bestandteil der Shows von Genesis. 2024 war es dann soweit und sie gingen unter dem Namen „THE MUSIC OF GENESIS“ auf Tour. Gespielt wird ein Querschnitt der Alben „A Trick Of The Tail“, „Wind & Wuthering“, „And Then There Were Three“ und „Duke“.

Aber zum Konzert. Zusammen mit meinem Podcast-Kollegen Manfred besuchte ich mit großer Erwartung und Spannung diesen Auftritt.  Denn wenn man Musik von Genesis heute live erleben will, ist man auf sogenannte „Tribute-Bands“ angewiesen, aber nicht immer sind sie qualitativ so hochwertig  und von solchem Kaliber wie hier. Vom ersten Ton an war mir klar die sind gut, richtig gut. Die Titel entstammten der Zeit von 1976 -1980 aus den oben genannten Alben. Die Musik von Genesis war in diesen Tagen noch hoch komplex. Komplizierte Rhythmen wechseln sich mit orchestralen Passagen, Songstrukturen in einer unglaublichen Dimension. Die Musiker haben diese Herausforderung bravourös gemeistert, denn alle 5 Bandmitglieder beherrschen virtuos ihre Instrumente.

Was mich bis heute an der Musik von Genesis fasziniert ist das Wechselspiel filigraner Momente mit bombastischen Akzenten. Getragen wird dies hauptsächlich durch die Wucht der Keyboards mit den Sounds einer Zeit die es so nicht mehr gibt. Jochen Pietsch gelingt es exzellent wie er die komplizierten Songstrukturen eines Tony Banks sichtbar macht. Die Gitarrenarbeit von Niklas Turmann steht seinem Vorbild Steve Hackett in nichts nach, ob an der Akustik-Gitarre oder an der E-Gitarre. Es war ein Genuss ihm zuzuhören. Der Schlagzeuger Momme Boe konnte nicht nur bei seinem Solo überzeugen, auch bei den vielen anderen Songs die nicht immer einfach zu spielen sind, war er eine absolute Größe. Zusammen gehalten wurde das Ganze vom ausgezeichneten Bassisten Michael Schugardt, der auch an der Akustik-Gitarre zu hören war.

Jede Genesis-Tribute Band steht und fällt mit ihrem Sänger. Die Stimme eines Phil Collins zu imitieren, dieses Wort verwende ich gar nicht gerne, ist nicht einfach. Elmar Ferner gelang dies sehr überzeugend, denn wenn ich manchmal die Augen geschlossen habe sah ich Collins vor mir und das will etwas heißen. Sehr spannend fand ich die Videos mit Live-Aufnahmen von Genesis die im Hintergrund der Bühne zu sehen waren, hier gelang es der Band die ungemein präzise spielte, dass Elmar Ferner fast lippensynchron mit Collins sang. Hut ab! Ich könnte jetzt über viele der gespielten Titel schreiben, ich weiß nur nicht wo anfangen und wo aufhören, waren sie doch alle ein wahrer Ohrenschmaus. Dennoch möchte ich einen Titel besonders erwähnen, welcher ganz „zufällig“ einer meiner Lieblingsstücke ist, „Afterglow“ vom Album „Wind and Wuthering“. Für mich die Genesis-Hymne schlechthin denn sie repräsentiert in ihrer Dramaturgie all das was ich an dieser Band so liebe.

Ja leider geht auch solch ein Abend irgendwann zu Ende, wenn ich auch noch lange hätte zuhören können. Nach der Zugabe im ausverkauften Kurhaus-Theater gab es für die Band langanhaltenden Applaus und wirklich verdiente Standing-Ovation. Draußen im Foyer bekam ich noch ein Tour-Poster signiert und konnte mit den Musikern ein paar Worte wechseln.  Für mich war es ein rundherum gelungenes Konzert-Erlebnis mit einer Band die ihr Handwerk richtig beherrscht.

Fotos: Thomas Fay